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Nächster Schritt Fahrzeugkontrolle, Klappe auf Wohnkabine auf, zwei, drei Jungs stiegen ein und fertig. Wir stiegen in unser Fahrzeug, steuerten aus dem Zollgelände - immer in der Erwartung was kommt denn jetzt. Aber das war es, keine einzige weitere Kontrolle bzw. Pass vorzeigen. Manchmal entstand etwas Gedränge zwischen den LKW und den durchzwängenden PKWs aber schnell war ein Taliban zugegen und schlug notfalls mit dem Gewährkolben gegen die Seitenscheiben des Fahrzeugs, das nicht parrierte. Wir waren durch, keine 30 Minuten, das war Rekord.

Als erstes tauschten wir Geld bei den am Straßenrand stehenden Geldwechslern und der Kurs war auch ok. Das Problem was auch hier besteht, sind die kleinen Dollar-Noten - alles unter 50-Dollar-Scheinen wird nicht gern gesehen und beeinflusst unter Umständen den Kurs, wenn sie überhaupt genommen wurden. Wir wechselten vorerst 100 Dollar. Wir hofften in Herat auf einen Geldautomaten, um unsere Barreserven aufzubessern, nachdem wir in Iran einen deutlichen Verlust erlitten hatten.

Auf den 100 Kilometern nach Herat hatten wir einen einzigen Kontrollstopp und soweit ich mich erinnern konnte, wollte er nicht mal die Pässe sehen. 

In Herat zog Birgit mit einem Tuk-Tuk los, um einen Gelautomaten zu finden, am Ende spuckte der Automat ungerechnet 300 Dollar aus bei 7% Gebühr, also auch keine wirkliche Lösung.

Der Verkehr in Herat ist ein besonderes Erlebnis, noch etwas aufregender wie in Teheran, denn hier kommen jetzt noch einige zusätzliche Herausforderungen hinzu: Radfahrer, Tuk-Tuks und Lastenmotorräder. Speziell die extrem wendigen Tuk-Tuks, sie atackieren uns von allen Seiten links, rechts, von der Seite und auch mal direkt von vorne, äußerste Vorsicht ist angeraten, auch wenn die geschickten Fahrer immer gerade noch so an unserer Stoßstange vorbei flitzen. Und die Anzahl dieser Flitzer ist enorm.

Es war früher Nachmittag und wir entschlossen uns die Zitadelle zu besichtigen. Sie wurde von Alexander dem Großen gebaut und war in einem hervorragend restaurierten Zustand, als wenn sie gestern erst fertig gestellt wurde, wer das wohl bezahlt hat. Alexander hat die Fertigstellung sicherlich nicht mehr erlebt, denn die Zitadelle hat gewaltige Ausmaße und man würde heute schon nach meiner Einschätzung 10 Jahre für den Bau benötigen.

Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz kam uns ein glücklicher Umstand zu Hilfe, ein Deutsch-Afghane zu Besuch in seiner Heimat erkannte unsere Nummernschilder und bot uns seine Hilfe an. Wir folgten seinem Toyota und er lotste uns etwas aus der Stadt an das Flussufer des Hari. Ein schöner Platz nur durch den immer wieder einsetzenden leichten Regen etwas schlammig.

Ja, und dann ging es los, kaum hatten wir unsere Parkposition eingenommen, überfiel uns eine Horde von Kindern. Die einen wollten Dollar, die anderen Zigaretten, manche boten uns hartgekochte Eier an, die wir auch kauften und zuletzt wollte uns ein halbwüchsiger Drogen verkaufen, dabei hatten ihm die Taliban schon den kleinen Finger abgeschnitten, half scheinbar nix. Die Belagerung erstreckte sich bis zum späten Abend. Selbst wenn wir uns in die Kabine verzogen wurde ständig geklopft, wenn das nicht half auf die Leiter gestiegen und an das Fenster geklopft. Zu den Kindern gesellten sich auch immer mehr Erwachsene und laberten uns in fließendem Persisch zu. Wir hatten keine Chance, wir bekamen sie nicht los. Gelegentlich tauchten einige Talibans auf, die für eine kurzfristige Ruhe sorgten, aber dann wurden wir von denen in Beschlag genommen. Es war anstrengend.

Für den nächsten Morgen hatten wir nur zwei Punkte geplant: die Malan-Brücke und die Große Moschee. Die Brücke war ganz in der Nähe und führte auch über den Hari. Eine schlammige und mit tiefen Schlaglöchern übersähte Straße führte uns zu der um 1100 a.D. erbaute Brücke. Als einzige Brücke überstand sie über all die Jahre sämtliche Flutkatastrophen. Auch sie, sehr schön restauriert. Bewacht wurde sie von ein paar gelangweilten Taliban, die vor Ihrem Wehrgebäude direkt an der Brücke das Gesamtbild der Brücke verunstaltete.

Die große Moschee war jetzt nicht der Hit, zumal wir schon die sehr imposanten Moscheen in Iran kannten.

Aber das für uns Interessante war das Leben in der Stadt, unterschied es sich doch ein wenig von dem was wir bisher kannten. Das ganze Gewurle, die ungewohnte Kleidung der Menschen, keine oder wenige Hochhäuser und die tausend Geschäfte und Werkstätten, Händler die am Boden saßen und ihre Ware feil boten. 

Auffällig war für uns die Kleidung der Frauen, erwarteten wir doch die blauen Burkas, nur wenige konnten wir entdecken. Die meisten waren gekleidet ähnlich wie in Iran allerdings in ländlichen Gegenden. Viele waren alleine, in kleinen Gruppen unterwegs, aber ohne Männer. Eine Frau entdeckte ich auf einem Fahrrad, ganz ohne Begleitung.

Zurück an unserem Übernachtungsplatz das gleiche Spiel wie am Vorabend, aber da mussten wir durch. Das ganze gipfelte allerdings, als gegen 22.00 Uhr acht voll bewaffnete Taliban an unsere Tür klopften bzw. auf der Treppe standen, und da ist mir dann doch die Hutschnur geplatzt. Lautstark machte ich ihnen unmissverständlich deutlich, dass sie uns jetzt in Frieden lassen sollten und morgen wieder kommen können. Allesamt schauten etwas verdutzt, zogen aber dann ab.

Für den nächsten Morgen stand die Weiterfahrt nach Kandahar an, ca. 600 km.

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