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Dann signalisierte unser Schlepper, er fahre jetzt mit in unserem LKW, wohin da hatten wir vorerst keine Ahnung. Birgit blieb zurück im Office um weiteren Formularkram zu erledigen. Er lotste mich jetzt kreuz und quer durch das riesige Zollgelände, immer wieder hielten wir bei irgendeiner Station an, zeigten Pass, zahlten eine geringe Gebühr - für was war mir völlig unklar. Einmal wurde ich in eine Einfahrt dirigiert, hier stand mir ein großer LKW gegenüber der wollte natürlich in die entgegengesetzte Richtung, wieder Pallawer, also wieder zurückstoßen und ab in eine andere Richtung. Dies wiederholte sich mehrmals bis ich die Nase voll hatte und unseren Schlepper aus dem Fahrzeug warf. 

Zurück im Office hatte Birgit inzwischen ein hitziges Wortgefecht mit einem der Offiziellen das damit endete, das der gute Mann Birgit schlicht ignorierte. Ja, was nun. Schließlich nahm mich ein freundlicher Herr bei der Hand und meinte ich soll ihm mit meinem Fahrzeuf folgen. Und jetzt wurde mir klar was wir die ganze Zeit suchten: unser Fahrzeug musste gescannt werden und den Scanner hat unser Schlepper schlicht nicht gefunden. 

Wieder zurück im Office wurde uns das gestempelte Carnet übergeben. Endlich fertig dachten wir. Auf dem Weg zu unserem Fahrzeug wurden wir von einem Uniformierten aufgefordert ihm zu folgen. Es ging wieder quer durchs Gelände zu einem Abfertigungsgebäude für Passanten ohne Fahrzeug. Der Uniformierte klopfte an eine Tür die sich deutlich von den restlichen Türen unterschied, weiß lackiert mit Spion und Klopfdengel. Es öffnete ein junger Mann in adretter Kleidung und nahm kommentarlos unsere Pässe entgegen, durch den Türspalt konnte ich ein sauber eingerichtetes Büro mit Teppichen und Ledersesseln erkennen. Die Tür wurde geschlossen und wir warteten eine geschlagene Stunde bis diese wieder öffnete und der selbe junge Mann anfing uns zu verhören, jeden einzeln. 

Beruf, wie alt, wie lange schon in Rente, Bekannte in Iran, haben Sie Telefonnummern derselben, wie oft schon in Iran, wie ist der Reiseplan, Internetseiten und Instagramm wurden notiert, allem in allem war das nochnals eine halbe Stunde. Jetzt sind sie fertig versicherte er uns. 

Ok zurück zum Fahrzeug und zur nächsten Haltestelle, ein Tor, eine Fahrspur und Fahrzeuge in beiden Richtungen, wir wurden vor dem Tor an den Seitenstreifen dirigiert und dann wieder warten. Wir beobachteten oberfächliche Kontrollen der Fahrzeuge und endlich kam einer auf die Idee, die von der Gegenseite anstehenden Fahrzeuge zurück zu ordern um für unsere Seite die Durchfahrt frei zu halten. 

Jetzt wurden wir durchgewunken und gleichzeitig angedeutet rechts zu halten. Jetzt musste das Fahrzeug durchsucht werden, alle Klappen öffnen, Wohnkabine auf und jeder der gerade in der Nähe stand musste jetzt mal einen Blick ins Innere riskieren. Soweit alles ok, weiterfahren. Beim nächsten Stopp wurden wir wieder zurück beordert, Fahrzeugcheck verstand ich, hatten wir doch gerade. Egal, zurück zur selben Stelle. Das Fahrzeug wurde tatsächlich nochmals gecheckt, allerdings nur die Wohnkabine, scheinbar hat ein Wichtiger der gerade nicht zugegen war und jetzt doch noch das Fahrzeug von Innen sehen wollte.

Weiter zum Posten der uns soeben zurückgeschickt hat und natürlich wieder Pässe. Weiter zum nächsten Tor und wieder Stopp, Passport, der Typ sah schon aus wie ein Talibanie. Afghanistan fragte ich, ein Nicken zur Antwort. Also Iran scheint geschafft zu sein. Aber jetzt wurden weitere Dokumente gefordert, Carnet - No, ah Fahrzeugschein - No. Langsam dämmerte es mir, da war doch noch etwas mit einem sog. Road Pass, den sollten wir nach Aussage des afghanischen Konsulats in München an der Grenze bekommen. Ein Afghane mit leidlichem Englisch mischte sich ein. Sie benötigen den Road Pass, den bekommen sie in Mashhad (300 km von der Grenze). Das kann nicht sein, Panik schoss in mir hoch. Will er Dollar? Nein, wir können hier nichts machen sie müssen zurück nach Mashhad zum Afghanischen Konsulat. Ich glaubte immer noch an irgendeine Masche aber in der Tat wir mussten umkehren, Shit happens.

Kaum wieder auf iranischer Seite wurden wir von einem Soldaten gestoppt und mit ausreichenden Englisch-Kenntnissen gefragt warum wir zurück fahren. Wir erklärten die Situation und er versprach zu helfen. Wieder dachte ich an ein abgekartetes Spiel. Aber nein, auch er bestätigte letztendlich wir müssen das Dokument in Mashhad besorgen. 

Zum Glück war er uns behilflich ohne große Kontrollen zum Emigration Office zurück zu kommen. Auch hier versuchte man uns zu helfen und es wurde uns sogar in Aussicht gestellt, dass das Dokument von einem Taxifahrer besorgt werden kann und wir in der Zwischenzeit hier auf einem Parkplatz bleiben können.

In den nächsten Tagen wird leider nichts passieren, denn morgen ist der Geburtstag von Imam Mahdi und darauf ist Freitag sprich an beiden Tagen hat das Konsulat geschlossen, frühester Zeitpunkt für eine Fahrt nach Mashhad ist der Samstag.

Uns wurde ein Parkplatz auf dem Zollgelände zugewiesen und jetzt heisst es warten. Im schlimmsten Fall wüssen wir uns selbst ein Taxi nehmen und nach Mashhad fahren.

Ich hab mich auch sofort bei einem Taxifahrer erkundigt: die Fahrt nach Mashhad und zurück (600km) 40 Dollar.

Das einzig Positive an diesem Tag.

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