Zum Hauptinhalt springen

Vahid, der nur noch zwei Tage in Teheran war, um dann mit seiner Familie einige hundert Kilometer in den Süd-Westen zu einem Kurzurlaub aufbrach. Er sollte uns über einen Mittelsman mit einer Tankfüllung für beide Fahrzeuge versorgen. Zudem haben wir uns entschlossen, einen Stromgenerator zu kaufen, eine weitere Aufgabe für unseren Vahid.

Am folgenden Tag war Sightseeing für Petra und Theo angesagt. Kamran zeigte in Kürze was so möglich ist mit dem Taxi durch Teheran, Assadi-Tower, Carpet-Museum etc., wobei die Taxifahrt an sich schon ein Erlebniss ist. Für mich und Birgit war Ruhetag angesagt. Hinsichtlich meiner Ladeproblematik checkte ich noch ein Detail an der Verkabelung, aber am Ende blieb als Notfalllösung nur ein Stromgenerator, Laden während der Fahrt war nicht. Vahid besorgte noch am selben Tag einen Stromgenerator und ließ ihn per Kurier an den Parplatz liefern. 2,2 kW, 410 $ und er passte perfekt in die Ladeluke.

Der Basar und der Golestan-Palast war noch ein Must See. Beide sind in unmittelbarer Nähe und von unserem Parkplatz optimal mit der U-Bahn zu erreichen, natürlich unter Begleitung von Kamran. Somit war dieser Tag auch verplant. Für mich war der Tag eher anstrengend und ich verbrachte die meiste Zeit auf Parkbänken und beobachte die passierenden Menschen, meine importierte Erkältung wurde von Tag zu Tag schlimmer. 

Aber die Weiterfahrt stand an und erst mal Diesel tanken. Ich hatte den Standort der Tankstelle, an der wir unseren Mittelsman treffen sollten am Stadtrand von Teheran und in Richtung unserer Weiterfahrt. In Teheran gibt es keine Tankstelle für Diesel. Nun, der erste Anlauf den Mann zu treffen scheiterte, er war nicht erschienen und nach einer halben Stunde Wartezeit machten wir uns weiter auf den Weg. Nicht lange und es kam der Kontrollanruf von Vahid: hat alles geklappt? Letztendlich war auch alles schnell geklärt und wir trafen den Mann an der nächsten Tankstelle, ich wusste, dass ich mich auf Vahid verlassen konnte. Der Mittelsman hatte eine sogenannte Dieselbezugskarte mit der er an jeder Tankstelle Diesel bekam und uns dann den Treibstoff zu einem etwas erhöhtem Preis verkaufte - umgerechnet 0,15 Cent pro Liter. Für das Befüllen unserer Kanister war der Preis etwas höher: 0,21 Cent pro Liter, man muss sich bei der Preisgestalltung immer mal etwas Neues einfallen lassen. 

Jetzt waren aber erstmal 650 km Richtung Osten nach Sabzewar angesagt. Birgit dokumentierte die interessante Fahrstrecke und das bei kaltem aber herrlichem Wetter. Wir hatten interessante Übernachtungsplätze, einmal in einer alten aber gut erhaltenen Karavanserei abseits der Strecke, ein andermal inmitten eines Pistazien-Anbaugebietes, allerdings mit regem und anhaltendem Besuch der Dorfjugend und spät abends interessierten sich auch die unterschiedlichen Polizeibehörden, die dann alle halbe Stunde unter jeweils einem anderen Vorwand auftauchte und die Pässe sehen wollte. Es stehen ja nicht jeden Tag zwei Trucks im Pistazienhain. 

Ab Sabzewar ging’s dann in den Süden mit einem kurzen Abstecher in die Salzwüste Kevir, dann in die Berge zu einem kleinen Dorf auf 2000 Meter von dem wir wussten, dass dort eine unterirdische Stadt existiert. Wir wurden vom Ortsvorsteher begrüßt und sogleich eine Genehmigung zur Besichtigung des unterirdischen Hölensystems beantragt. Der Eingang steht unter Verschluss und es musste eigens ein behördlicher Beauftragter vor Ort kommen, der den Schlüssel in Verwahrung hatte. Die Besichtigung war teilweise eine recht enge Angelegenheit und ich war oftmals auf allen Vieren unterwegs. Das System erstreckt sich über einige hundert Meter mit X Verzweigungen in den Berg und war, so wurde uns vermittelt, als temporäre Schutzbehausung gedacht, vor wem auch immer war nicht zu erfahren.

Ab heute bin ich zu der Einsicht gekommen, dass ich zum Arzt sollte, meine Erkältung hat sich dahin gesteigert, dass ich fast nicht mehr zum Schlafen komme. Qaen ist jetzt unser Ziel, dort haben wir einen Freund Akbar, den wir ohnehin besuchen wollten. Er vermittelte mich zu einem Arzt bzw. Ärztin mit guten Englisch-Kenntnissen und bis ich mich versah, wurde ich vollgepackt mit Medikamenten und Infusionsbesteck in eine Klinik transportiert. Und dort sofort an einen Tropf mit Antibiotika gehängt, alles ging blitzschnell. So habe ich auch mal ein iranisches Krankenhaus erlebt. Und ich hatte tatsächlich eine relativ gute Nacht und konnte ausreichend schlafen, jetzt hoffe ich auf anhaltende Besserung.

Von Akbar und seiner Familie wurden wir natürlich wieder überschwänglich begrüßt und mit allem versorgt. Zudem besuchten wir ein lokales Museum und einen geschäftigen Markt, einfach ein schönes Erlebnis. Am Tag darauf - ein Freitag - eine Einladung zum Lunch mit seinen unzähligen Brüdern, Schwestern, Onkel, Tanten, seiner Mutter - alles extrem liebenswürdige Menschen. Zum Abschluss an diesem Tag erhielten beide unserer Fahrzeuge die Tanks befüllt. Der Diesel stammte aus den Vorräten eines zur Familie gehörenden LKW-Fahrers. Er besaß einen alten schweren Rundhauber, der noch in Deutschland gebaut wurde und sich in einem Top -Zustand befand. Ein Blick unter die Motorhaube, ein Augenschmaus.

Comments powered by CComment