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Ich bin schon wieder im Rückstand mit dem Schreiben. Wir sind schon einige Wochen in Saudi Arabien und jetzt gerade sitze ich im Bummer oben am Rand eines Vulkankraters und versuche mich zurück zu erinnern.

Bevor es in Richtung Wüste Dahna geht müssen wir leider noch zuerst nach Riad um die Gummibuchsen an zwei Blattfedern am MAN zu wechseln. Normalerweise wäre Riad das Ziel nach der Wüste folglich müssen wir später wieder zurück nach Riad um unser nächstes Ziel zu erreichen, Riad ist hier unser Dreh und Angelpunkt.

Wir erreichen Riad und die MAN Niederlassung an einem Donnerstag. Wie auch in Mascat (Oman) war die MAN Niederlassung ein beeindruckendes Gebäude aber nicht ganz so groß wie in Muscat.

Mein erster Weg war in Richtung Servicedesk, es war auch schnell erklärt was ich benötige und zur Sicherheit checkte der Indische Chefmechaniker wieviel von den Buchsen gewechselt werden müssen, alles klar, insgesamt vier Stück jeder Blattfeder benötigt zwei Stück und es betraf nur die linke Seite, ok.

Die Teile wären auf Lager hat man mir Eingangs schon versichert, Preis umgerechnet 50 Euro pro Stück.

Wann kann der Einbau beginnen meine nächste Frage, wenn die Teile im Hause sind, ich dachte die sind auf Lager, ja aber nicht in Riad sie werden heute in Jedda bestellt und sollten am Sonntag eintreffen. Freitag ist Wochenende, da wird nichts transportiert folglich bleibt der Samstag und Sonntag. Jedda liegt ca. 800 km von Riad entfernt. Gut, ich war schon froh, dass die Buchsen überhaupt zu bekommen waren.

Wir fanden in Riad einen schönen Parkplatz in einem Freizeitpark. Am Samstag besichtigten wir die alte Ruinen Stadt Diriyah im Randbezirk von Riad aus der die Königsfamilie Saud ihren Ursprung hat. Für uns war das eine Art Pflichtbesuch, sollte man gesehen haben wenn man in Riad ist. Riad an sich ist umgeben von riesigen Baustellen und die gesamte Stadt ist durchwachsen mit Baustellen. Über die Attraktivität der Stadt möchte kein abschließendes Urteil fällen, jeder sieht das unterschiedlich.

Sonntag gegen Mittag standen wir bei MAN auf dem Hof und wie ja schon fast zu erwarten die Buchsen waren noch nicht geliefert und wurden an diesem Tag auch nicht mehr geliefert. Zum Glück wurde uns gestattet auf dem Hof den restlichen Tag zu verbringen und zu Übernachten.

Montag gegen 12 waren die Teile da. Ich wurde in die Werkstatthalle dirigiert und wartete darauf dass es los ging. Aber los ging es noch nicht, ich musste erst den Auftrag unterschreiben, also wurde ich zu einem freundlichen Inder geführt und gebeten Platz zu nehmen. Zuerst wurden zwei Saudische Kunden bedient die auf die Erstellung und den Ausdruck ihrer Rechnungen warteten. Nach Ablauf von ca. 20 Minuten standen die beiden Kunden von ihren Sitzen auf und erklärten, dass sie jetzt zum Essen gehen würden. Wunderbar dachte ich, dann kann ich schnell den Auftrag unterschreiben, fehl gedacht. Only 5 minutes erklärte der Inder, also wieder hinsetzten. Nach weiteren 20 Minuten kamen die Kunden von ihrem Lunch zurück und warteten geduldig bis ihre Rechnung ausgedruckt war. Jetzt kam ich an die Reihe, also schnell mal unterschreiben, denkste. Jetzt wurde das Auftragsformular ausgefüllt, Name, Adresse, Baujahr, Kilometerstand etc. zum Glück wurde mir erlaubt beim Schreiben behilflich zu sein sonst wäre es mit dem Tag gewesen.

Zurück in der Werkstatt standen schon zwei Mechaniker, ein Pakistani und ein Philipino bereit für den Einbau. Zuerst wurden die unterschiedlichsten Wagenheber ausgetestet, keiner wollte so richtig passen. Zwei Meter vom Fahrzeug entfernt stand ein ich nenne es mal eine elektrisch betriebene Hebeeinrichtung ein richtig professionelles Teil, hatte ich bisher noch nicht gesehen. Auf meine Frage ob das etwas wäre um das Fahrzeug hoch zu heben, ja schon aber dazu müssten sie die Steckdose der Anhängerkupplung demontieren, das waren zwei Schrauben und zwei Minuten Arbeitszeit. Nach kurzer Beratschlagung entschloss man sich tatsächlich für diesen zusätzlichen Arbeitsgang und das Fahrzeug wurde schließlich am hinteren Ramen hochgehoben. Jetzt Buchse auspressen, dazu fehlte das nötige Auspresswerkzeug, old car wurde mir erklärt so etwas benötigt man bei den modernen Trucks nicht mehr, ok. Es wurde ein passendes Rohr mit dem Durchmesser des Auges an der Feder gefunden und dann begann die Schinderei bis die Hartgummibuchse endlich entfernt war. Der Umgekehrte Weg die neue Buchse einzupressen war mit ähnlichen Komplikationen verbunden. 

Die erste Blattfeder war erledigt, die zweite Buchse an der Feder war noch in Ordnung, auch bei der vorderen Blattfeder musste nur eine Buchse gewechselt werden, das wurde jetzt festgestellt, auch gut, jetzt hatte ich Ersatz.

Gerade hatte ich mir meinen Blaumann angezogen um etwas Handlanger Arbeiten zu leisten, da fingen die Jungs an ihr Werkzeug in die Werkzeugkästen zu verstauen. No work today, es war 16Uhr, tomorow 8 o clock. Nochmal eine Übernachtung auf MAN Gelände.

Am nächsten Morgen, ich hatte den MAN bereits wieder in die Halle gefahren erschien das Duo, es war 8:30. der Wechsel der Buchse an der vorderen Blattfeder erwies sich als etwas einfacher, das Auge an der Blattfeder war mit eine Buchse versehen und aus diese Buchse lies sich die Gummibuchse viel leichter entfernen und die neue Gummibuchse leichter einsetzen, das war relativ schnell erledigt und man hatte jetzt bereits Übung.

Das weitere Prozedere des Bezahlens und der Rechnungsstellung lass ich jetzt mal aus es war wieder eine Geduldsprüfung mit meinen indischen Freunden. 

Noch am selben Tag absolvierten wir die hundert Kilometer zum Einstiegspunkt zur Dahne Wüste und trafen uns mit unseren Schweizer Freunden die bereits einige Kilometer im Sand auf uns warteten.

Die Dahne Wüste  erstreckt sich über einer Fläche die ca. 10% der Fläche Saudi Arabiens entspricht. Ziel war ein See in ca. 150 km Entfernung.

Nach 60 km kreuzten wir eine Asphaltstraße die sich quer durch die Wüste zog. Die 60 km waren gut zu bewältigen, die Dünen waren lang gestreckt mit gelegentlich steilen aber kurzen Abfahrten, das sich aber bald ändern sollte. Nach wenigen Kilometern auf Asphalt suchten wir den Einstieg der Piste der auch gut erkennbar war und trafen sogleich auf einen Polizei Posten. Weiterfahren verboten, warum auch immer, selbst nach mehreren Rückfragen zu ihrer Zentrale bzw. Vorgesetzten war da nichts zu machen. Also wieder zurück auf Asphalt.

Wir entschieden uns den Posten einfach zu umfahren und an anderer Stelle einen geeigneten Einstiegspunkt zu finden. Jetzt zeigte sich die Wüste mit einem anderen Gesicht, kurze, steile Dünen und erschwerend kam hinzu, dass wir die Dünen nur von der Lee Seite anfahren konnten, also von der Rückwertigen Seite. Hier sind die Dünen besonders steil und der Sand sehr weich, in den meisten Fällen für uns nicht befahrbar.

Bleibt nur der Weg zwischen den Dünen, geprägt von langgezogenen Senken die am Ende in einer steilen Sandbarriere endet. Einzige Möglichkeit ist, diese zu umfahren aber in extremer Schräglage, jedesmal eine Zitterpartie. Nach einem Umfahrungsversuch, bei dem der LKW im weichen Sand seitlich abrutschte und nach hinten ausbrach entschieden wir uns das Abenteuer abzubrechen.

Für einen Geländewagen wäre das ganze kein Problem für unsere LKWs aber ein zu hohes Risiko zumal sich die Umfahrungen der Senken ständig wiederholen würden. Wir suchten uns noch einen schönen Übernachtungsplatz in den Dünen und trösteten uns mit der Tatsache, dass der See ohnehin ausgetrocknet ist.

Zurück auf Asphalt und Richtung Riad. Wir waren gezwungen mitten durch die Stadt zu fahren, wir wollten zum „Edge of the World“ ca. 80 km nord-östlich von Riad.

Die letzten 25 Kilometer erwiesen sich als eine extreme Rüttelpiste mit schmerzhaften Passagen für die Reifen. „Edge of the World“ ist eine steile, gut 300 Meter tiefe Abbruchkante mit einer grandiosen Sicht auf die darunter liegende Ebene. Die Abbruchkante ist nicht weniger spektakulär.

Dronenaufnahmen die sich hier angeboten hätten waren auf Grund der extremen Windverhältnisse unmöglich. Wir verbrachten eine Nacht an der Abbruchkannte und am nächsten Morgen waren wir auf dem Weg zu einem Vulkangebiet.

Riad und die alte Stadt der Sauds Diriyah

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